Radsport Journal Tourmann
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Das Journal für den Profi Radsport

 

Der Iceman verabschiedet sich in Düren
(hh) Der erste Herbsttag war für das Event wohl angemessen. Die Hitze der letzten Tage ließ die Hoffnung noch einmal aufkommen, dass der Sommer noch bis Weihnachten reichen würde. Ein Irrtum, denn irgendwann kam dann doch ein Restorkan über den Atlantik und verbreitete Nässe. Auf der Autobahn, bei der Anreise, versprühten die auf der anderen Seite entgegenkommenden Kolonnen der Mannschaftswagen der Polizei noch einmal Tour de France Atmosphäre. Doch der Anlass war ein anderer, die Räumung des Hambacher Forstes.



Irgendwann mal kam die Innenstadt von Düren und ihre Absperrgitter ins Blickfeld. Der Kurs war relativ kurz abgesteckt, um 800 m lang und hieß "Rund in Düren". Trotz der schlechten Wetterlage hatte sich einige Hundert, es waren ganz sicher nicht die oberen 5000, die die örtliche Zeitung angekündigt hatte, an der Strecke. 


Aber es gab zahlreiche Cafes, da schauten die Leute, dick eingemummelt und nicht uninteressiert, aus den Fenstern zu. Um es gleich vorweg zu sagen, André Greipel war nicht am Start. Er zwar großzügig angekündigt worden und wäre sicherlich gerne gekommen, aber schon Tage vorher fand ich ihn auf den Startlisten der Tour de Eurometropol in Belgien. Auch darüber gibt es einen kleinen Bericht. Aufgrund von Krankheiten bei verschieden Kollegen war er bei Lotto Soudal auf die Starterliste gerutscht. Dafür war aber die andere angekündigte Prominenz anwesend. So sah man in der ersten Reihe Nikias 

Arndt von Sunweb, Christian Knees von SKY und Roger Kluge von Mitchelton Scott. Im Hintergrund blitzte dann auch die Jacke des deutschen Meister auf. Das es aber kein Cyclo Cross Rennen war zog Marcel Meisen vom Team Corendon die Jacke dann im Rennen aus. Vorher gab es aber noch ein Ehrenspalier  für den Altmeister Peter Büsch. 

Der älteste Elite Fahrer in Deutschland verabschiedete sich im Alter von 51 Jahren von der Profirennszene. Deswegen waren seine Freunde gekommen und bildeten ein Spalier für erste Durchfahrt. Man hätte vielleicht noch "Time To Say Good Bye" in den Gassen Düren`s erschallen lassen können, aber vielleicht wäre das dann doch zu melodramatisch gewesen. Außerdem wurde hier nicht Nacer Bouhani verabschiedet.

Dann wurde das Rennen gestartet.  Phil Bauhaus unterstützte den Moderator ein wenig.

75 enge knifflig nasse Runden a 800 m. Ein paar Jungs gingen die Sache nach dem Motto an, wenn du es in Düren schafft`s schafft du es überall und hätten die Kollegen bald schnell mal eingeholt. Doch die anderen kamen auf den Trichter, was es bedeutet überrundet zu werden und gaben selber Gas. Das Tempo ging auf eine für Fotografen bei diesen Lichtverhältnissen unangenehme Geschwindigkeit hoch und schnell waren die Ausreißer wieder gestellt. Wenig später versuchte sich eine Gruppe mit Marcel Meisen. 


Obwohl der Aachener seine Mitfahrer lautstark aufforderte ihr Letztes für ihn zu geben wurden sie wieder eingeholt. Dann zeigte Christian Knees 15 Runden vor Schluss, von manchen zutraulich mit Kneesi angefeuert, dass SKY im Moment the World rules. Jedenfalls im Radsport, doch Mitchelton Scott und Sunweb waren damit nicht ganz einverstanden. Man vertrat ja hier die eigenen Kaiser und sicherlich wollte sich keiner in den nächsten Tagen hämische Worte auf das Butterbrot schmieren lassen. Deshalb organisierte Nikias Arndt die Aufholjagd. Sie holten tatsächlich Knees, der ein paar Runden die Prämien abgestaubt hatte, wieder ein.

 Da dachte man doch, das Arndt als bester Sprinter der drei das Ding rocken würde. Aber zwei Runden vor Toreschluss bekam Knees noch einmal Luft, setzte die entscheidende Attacke und erreichte die alleine die Ziellinie. Arndt wurde Zweiter und Kluge Dritter. 


Der Iceman fuhr dann auf dem vierten Platz ein. Er wurde nachher selbstverständlich auf das Podium gerufen und ordentlich mit spanischen Sekt abgeduscht. Wenigsten an dieser Stelle hätte der Veranstalter "Good Bye Johnny"  ( Von Udo Lindenberg, wer es mag kann auch die Version von Hans Albers sich anhören <<<< )im Programm haben müssen. Greipel hingegen übernahm die Rolle des Godot. Da ich das Stück kenne, habe nicht so lange gewartet.

The winner takes it all.

Bei der Siegerehrung hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass hier irgendwas nicht stimmt. Das war richtig. Ich kam aber erst am nächsten Tag drauf, bei den Weltmeisterschaften in Innsbruck. Der Zweite steht normalerweise links vom Sieger und der Dritte steht auf der Rechten Seite. Vom Betrachter aus gesehen. In Düren ticken die Uhren anscheinend anders.

 
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