Radsport Journal Tourmann
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Das Journal für den Profi Radsport

 

Künstlerzimmer

(hh) Die Dachbodenkammer ist verdreckt. Es riecht nach Farbe und alten Lebensmitteln. Im Regal liegt neben den Farbtuben ein alter Camembert. Ganz gut ist er nicht mehr, aber essen kann man ihn noch. Was sonst auch. Der Blick über die Stadt ist hervorragend. Meistens genießt er ihn alleine mit einer Flasche Rotwein und fantasiert. Ganz allein. Denn wer will schon seine verrückten Bilder kaufen. Dann greift er wieder zum Pinsel und versinkt im Reich seiner Träume.

100 Jahre später ist der Raum ein Museum. Hochdruck gereinigt. Hochglanzpoliert. Kommen sie, schauen sie!!! Hier hat der  Meister seine großartigen Werke geschaffen. Wollen sie nicht eine Kopie kaufen?

Der Raum ist tatsächlich ein wenig ausstaffiert worden. Die Möbel alt und und gut lackiert. Der Stil ist einen alten Herrenzimmer nachempfunden. Alles auf seinen Platz und kein Teil  ein Original.

Es sind die zwei Seiten des Lebens. Wir wollen nur die eine sehen. Wir würden doch kein Bild von einem am Kopf blutenden Mann kaufen, der sich gerade ein Ohr abgeschnitten hat. Oder ?

Wir Journalisten zeichnen oft diese Bilder. Immer die eine Seite. Meistens die schöne, denn die lässt sich besser verkaufen. Manche zeigen nur die schlechte. Je nachdem von wem man bezahlt wird.

Selten sieht man das vollständige Bild. Der Radsport ist auch so eine Dachkammer.

Wir versuchen beim Radsport Journal Tourmann immer das komplette Bild zu zeichnen. Manchmal gelingt es.

Ich habe ja schon von der nicht so sonnigen Seite des Radsports gesprochen. Bei den Continental Teams herrschen andere Bedingungen als in den beiden großen Ligen. Trotzdem gibt es auch hier Sonnenschein und nicht nur in der World Tour. Die kleinen Rennen haben ihren besonderen Reiz. Hier können Mannschaften starten die sonst nicht eingeladen werden. Manche werden in letzter Minute zusammengestellt und hier bekommt oft ein Fahrer die Gelegenheit zum Pinsel zu greifen, bei dem vielleicht nur ein Stück Käse im Regal liegt.

Deswegen reden wir mal von der Tour of Singkarak. Reden wir von den großen Träumen.

Die Rundfahrt führt durch den Westen von Sumatra. Da heißt ein See wohl so. Ich erinnere mich schwach. Rund 1200 km  sind als Strecke vorgegeben. 105 Fahrer waren zu Beginn am Start. Darunter auch ein paar Deutsche. Auch das deutsche Team Bike Aid ist mit dabei.

Die 4. Etappe führte von Padang nach Agam über 140 km. Der Schlussanstieg ist wohl der Decider dieser Rundfahrt. Er hat eine Länge von 8 km und  7,5 Prozent. Er führt auf 1136 m Höhe. Dieser Anstieg wurde nicht verschlafen wie die gestrige Etappe. Der Held des Tages war der Thailänder  Thanakhan Chaiyasombat, der zeitgleich vor Adne Van Engelen  vom Team  Bike Aid ins Ziel kam. Trotzdem nutzte der Tag den beiden nichts. Denn Jesse Ewart aus Neuseeland konnte seine Führung  in der Gesamtwertung um 2 Sekunden verteidigen. Nikodemus Holler, auch vom Team Bike Aid, konnte sich auf Rang vier vorarbeiten.

Es gibt aber noch drei bergige Etappen um das Ergebnis zu verändern. Der letzte Tag ist dann wieder was für die Sprinter.

Ergebnis <<<<




  


 
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