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Spanien Rundfahrt. Auf den Balkon der Biskaya

Auf den Balkon der Biskaya. Wenn sie mich fragen, das hört sich gar nicht gut an. Nein, eher richtig schlecht. Stellen sie sich vor,  ihre Frau geht auf den Balkon und sagt dann, ich bin dann mal weg. Ganz ganz schlecht. Sogar ein berühmter Komödiant, der ein gleichnamiges sehr erfolgreiches Buch geschrieben hat, hat auf seinen Weg Santiago della Compost diesen nicht betreten. Wahrscheinlich aus guten Grund. Dann wäre nämlich Schluss mit lustig gewesen.

Bücher gibt es viele. Ich erinnere mich, in meiner Jugend mal ein Buch gelesen zu haben, mit dem Titel " Vielleicht gibt es die Biskaya gar nicht". Ein wunderschönes Roadmovie, als Geschichte, wo man lernen konnte, wie man für lau tankte. Habe ich nie ausprobiert, aber  irgendwie ist hängen geblieben, so kurz vor dem Tankende  einmal über den Schlauch fahren. Wird für mich ein ewiges Geheimnis bleiben, ob das klappt. Vielleicht eine Geschichte für die Mistbusters.

Das es die Biskaya gibt weiß ich inzwischen. Da ich schon viele Male auf Schiffen über sie hinweg gefahren bin,  muss es sie geben. So stürmisch ist sie nicht. Ich habe keinen einzigen erlebt. Auch im Winter nicht. Überall sonstwo, nur in der Biskaya nicht. Aber wenn man nur einen Tag für die Durchfahrt benötigt, kann man auch Glück haben.

Glück haben müssen auch die Jungs heute. Balcon de Bizkaia, so schreiben es die Spanier, d.h. es geht auf über 900 Meter hoch.

 Sind Sie Schwindelfrei?  Das ist ein richtiger hoher Balkon. Da will keiner am Geländer stehen, höchstens ihre Schwiegermutter oder ein paar Bungijumper. Ich bin ja nun auch mal ein Bergsteiger gewesen. War auf dem Eiger und dem Mont Blanc. Also recht hoch. Aber als ich vor ein paar Jahren mal zufällig nach Neustadt an der Weinstraße kam und man sich dort zufällig vom Kirchturm abseilen konnte, bin ich spontan hoch gestiegen. Was für ein Fehler. Denn als ich oben stand und runter blickte, hätten sie mein Gesicht sehen sollen. Mister Bean hätte es nicht besser gekonnt. Der Blick in den Abgrund, ließ mich die Plattform schleunigst verlassen. Leider kam in diesem Moment ein junger Mann und reichte mir einen Sitzgurt. Ich war bislang immer auch mit einem Brustgurt zusätzlich geklettert. Und als mir den noch nicht leisten konnte, mit einem Seil um die Brust.

Natürlich stellte ich mir vor, wie ich wunderschön kopfüber aus dem Sitzgurt fiel und mich unten als Haschee auf der Straße verteilte. Als ich übers Gelände stieg, hatte dann auch kein gutes Gefühl. Steigen sie mal 50 m über dem Boden über ein Geländer und schauen sie nach unten. Trotz der zweifachen Sicherung wackelten die Beine. das Lächeln für Foto wirkte ein wenig verkrampft. Vielleicht war es ja das letzte. Nicht mal mit guten Zureden konnte man mich veranlassen beide Hände in Luft zu schwenken. Die Finger blieben am Seil. Und dann ging es zügig nach unten.

Also auf den Balkon den Bizkaia wollen die heute? Himmel Herrgott sakra noch mal, sind die denn lebensmüde?

70 km vor dem Ende ist noch alles im grünen Bereich. Eine gut 30 Mann starke Gruppe hat einen Vorsprung von über 8 Minuten. Die Strecke ist verhältnismäßig flach. Im Verhältnis zum Ende jedenfalls. Mit dabei ist der unvermeidliche Rafal Majka von Bora hansgrohe. Der versucht es wieder mit einem Etappensieg. Er hat schon 13 Minuten Rückstand. Emanuel Buchmann fährt noch bei den Favoriten mit. Vielleicht könnte er ja am Ende etwas Unterstützung gebrauchen.

Mit in der Gruppe sind auch De La Cruz, Teuns, Herrada, DeGendt, Nibali und viele andere. Der Rückstand reicht von 12 Minuten bis über 3 Stunden. Haben die irgendwo auswärts übernachtet?

Omar Fraile macht den Grüßaugust.


Im Peloton wird Druck gemacht. Wir gehen nach den 6 Minuten. Es kommen noch einige kleinere Anstiege. Noch sind 40 km zu fahren. Das gibt heute sicher nichts für die Vorreiter. Der Vorsprung fällt unter 5 Minuten. Bald wird die Gruppe aus einander fallen. Vielleicht kommt der eine oder andere vorne an. Aber ich kann es nicht glauben. Der Schlussanstieg ist zu schwer und Favoriten werden sich bis aufs Messer bekämpfen. Schade für Buchmann. Ganz alleine im Wald und die Wölfe heulen laut. 21 km vor dem Ende zerbricht das Peloton im Anstieg zum Saint Eufemia. Auch die Spitzengruppe fällt in der Abfahrt auseinander. Geniez und Clarke versuchen alleine. Sie werden wieder eingeholt. Aber die Tempoverschärfung bringt die Ausreißer wieder auf fast 5 Minuten.

Dann kommt es wie es kommen muss. Die vordere Gruppe zersplittert und ein Teil versucht sich zu retten. Mit dabei ist Rafal Majka von Bora hansgrohe. Er wird wieder zum Schluss abgehängt und fährt sich einen unnützen 4. Platz ein. Gewinnen tut dieEtappe  Michael Woods von EF Education first. 

2:30 Minuten später rollen die Favoriten ein. Es hat die erwartete Schlacht am Ende gegeben und Simon Yates vom Team Mitchelton Scott hat seine Führung verteidigt. Wie lange noch? Valverde ist wieder ein Stück herangekommen. Dafür haben Quintana und Kruijswijk von Lotto NL Jumbo an Boden verloren. An Boden verloren hat auch Emanuel Buchmann. Ohne große Unterstützung betrat er 1:45 hinter Simon Yates auf den Balcon. Den 11. Platz in der Gesamtwertung konnte er aber verteidigen. 

Ergebnis <<<<







 
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