Radsport Journal Tourmann
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Das Journal für den Profi Radsport

 

Warren Barguil und die Deutschen 

Die Sache ist nicht so einfach wie man denkt. Da hat ein Rennfahrer sich nicht an die Stallorder gehalten und wird deshalb suspendiert.  So weit so gut. Und so sieht die Sache auch an der Oberfläche aus. Professionalität auf allen Seiten. Die Gefühle werden nicht oder kaum vorgezeigt. Aber hinter den Kulissen brodelt es. Schauen wir uns zunächst die Fakten des Vorfalls an, der das Ereignis ausgelöst hat. Der Sunweb Fahrer Wilco Kelderman war 20 km in einen Sturz verwickelt und die anderen Sunweb Leute wurden zurückbeordert um Kelderman wieder nach vorne zu fahren. Warren Barguil fühlte sich durch diese Stallorder nicht gebunden.

Vor dieser Etappe lag Kelderman auf Rang 11 und Barguil auf Rang 13. Sie waren durch 15 Sekunden getrennt. Nach der Etappe lag Barguil auf Rang 13 und Keldermann auf Rang 14 , durch zwei Sekunden getrennt. Keldermann bleibt in der nächsten Saison bei Sunweb, Barguil wechselt ausserplanmäßig nach Fortuneo Oscaro. D.h.in ein französisches Team der zweiten Klasse. Barguil wurde bei der diesjährigen Tour de France Bergkönig. Damit hatte Sunweb zwei Fahrer auf dem Podium in Paris.Das ist also der Stoff für die Emotionen. Die französischen Zeitungen zeigen einen weinenden Barguil und präsentieren ihn als Opfer deutscher Gründlichkeit. Man bezeichnet den Ausschluss des talentierten Fahrers als großen Fehler und sieht als Hauptgrund, dass Bardet wieder in ein französisches Team wechseln will. Wilco Kelderman hätte noch nicht so viele Siege auf seinen Konto und sei nur Leader der Mannschaft, weil er nächstes Jahr dort noch fahre. Im übrigen traut man Keldermann nicht zu. nun noch mit dem Druck umgehen zu können.

Im Großen und Ganzen ist die Stimmung zugunsten des Franzosen.                                                               Die deutschen Zeitungen sind wesentlich zurückhaltender und kommentieren das Ereignis meist ohne Bewertung. Es gibt aber auch Journalisten, die in der Abstrafung Barguil etwas Gutes finden. So findet man den netten Spruch: " Wer nicht hören will, muss fühlen!" Da fällt einem dann gar nichts mehr ein.                        

Barguil hatte die Angelegenheit wohl egoistischer und taktischer betrachtet. Als nächster in der Rangfolge hatte er sich noch eine gute Platzierung im Laufe der Vuelta erhofft. Macht vielleicht auch Sinn, wenn Keldermann noch ausfallen sollte. Ansonsten sollte man den Ball auf nationaler Ebene ein wenig niedriger halten, zumal Sunweb zwar ein deutsche Lizenz, aber eigentlich ein holländisches Team ist. Schauen sie mal auf die Autokennzeichen. Und desweiteren ist Profi Radsport sowieso eine internationale Angelegenheit. Meistens jedenfalls.


 
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