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Richard Virenque wird von Eurosport hinauskomplementiert

Richard Virenque ist der Liebling aller Franzosen. Bei der Tour de France hatte er seinerzeit die Bergwertung dominiert und so jeden Tag Jubelstürme  verursacht. Bis zu jenem berüchtigten Tag, als die Festina Affaire begann und viele Radsportler mit ihren Spritzen auf die Polizeireviere eskortiert wurden. Man sprach davon, dass die heruntergelassenen Hosen jetzt nicht die angenehmste Situation für Richard Virenque waren. Das Ende der Karriere auf der Straße war zwangsläufig, aber nur vor kurzer Dauer. Denn die Franzosen verzeihen gerne; besonders einem Nationalhelden wird gerne vergeben. Wenn er Franzose ist. So wurde Richard Virenque in seinem zweiten Leben Beschützer der Herzen und Eurosport  Kommentator. Natürlich nur für Frankreich, denn in Deutschland denkt mensch ein wenig anders über die Thematik. Zudem sah man ihn sehr häufig mit seiner Herzdelinquentengruppe 2 Stunden vor dem Peloton daherradeln.

60 Prozent weniger hat Eurosport ihm für seine Dienste angeboten. Diese Dienste sollen um die Vuelta  a Espana verkürzt  werden. Richard Virenque kommentiert diese Geste mit den Worten: "Man will mir offensichtlich sagen, ich soll die Tür nehmen." 

Nun ist Eurosport ja kein europäischer Sender mehr, seitdem er vom Sponsor seines damaligen Konkurrenten Lance Armstrong, dem Discovery Channel gekauft wurde. Der Discovery Channel verdient sein Geld damit, dass er irgendwelche unbedarfte Menschen nach Alaska schickt und sie Gold suchen oder Bären jagen lässt. Das brachte jedenfalls soviel Geld in die Kasse, um ins europäische Sportgeschäft einzusteigen. Nicht genug anscheinend, um Virenque bezahlen zu können oder zu wollen. Bekannte deutsche Skisprung Kommentatoren mussten vor einigen Jahren ja auch den Hut nehmen, weil die Firmenpolitik das jüngere Publikum ansprechen wollte. Die Sendung hat sich seitdem nicht gerade verbessert, so dass viele wieder auf den öffentlichrechtlichen Rundfunk ausgewichen sind.

Der Fall Virenque könnte auch ein klassisches Eigentor werden, zumal man immer mit der Mentalität der französischen Gelbwesten rechnen muss. Die Franzosen haben da seit dem Sturm auf die Bastille einiges an Tradition aufgebaut und so ein amerikanischer Sender steht nicht unbedingt auf der geliebten Positivseite. Die Sache mit dem Idol Virenque dürfte somit noch nicht endgültig geklärt sein.



 
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